Samstag, 30. November 2013

Ein Phantom und große Oper

Jeder, der was macht, macht was falsch. Und jeder, der was falsch macht, erntet dafür Kritik.

Kochen ist ein vergleichsweise hartes Brot. Trotzdem darf (und sollte!) man sich beschweren, wenn es nicht schmeckt. Es sei denn, es ist einem egal, was man isst. Das sollte auch für die Bühne gelten – sogar in besonderem Maße. Warum ist es gerade in der Kunst so schwierig, von Fall zu Fall gar unmöglich, Kritik zu äußern – ohne dafür angeprangert zu werden?

Wer die Bühne wählt, wählt die Öffentlichkeit. Und die umfasst schlechterdings spitze Federn. Man unterschreibt immer den Gesamtvertrag, und gerade das strahlendste Rampenlicht offenbart naturgemäß zuweilen den tiefsten Schatten. Was ist das größere "Verbrechen": In ihn zu treten oder ihn zu benennen?

Ich war letzte Woche zu Gast in zwei Produktionen. Nur eine von beiden überzeugte mich auf ganzer Linie. Und brauchte dafür nicht mehr als ein karges Bühnenbild, einen Pianisten und zwei Darsteller. Hier war Verschwendung und Opfer, hier war die Intimität, die das Verhältnis zwischen Künstler und Publikum so dringend braucht, weil sie erst die Bühne zum Atmen bringt. Und zum Aufatmen, wenn einem die Luft wegbleibt.

Die andere, Hamburgs Neuauflage von Andrew Lloyd Webbers "Phantom der Oper" in der Neuen Flora, bietet großen Aufwand gegen großes Geld – und ist doch viel kleiner. Weil hier Verweigerung am Werk ist. Auf der Bühne (stellenweise) und dahinter (konsequent). Das muss man sagen dürfen. Oder man frisst, um im Bilde zu bleiben, weiter Scheiße. Trotzdem darf ich mir jetzt den Vorwurf machen, keineswegs aber gefallen lassen, ich sei gemein. Ja: unmenschlich.

Noch einmal: Was ist das größere Verbrechen? Man kann keine kalte Küche servieren und es dem Gast dann übelnehmen, wenn ihm nicht warm ums Herz wird.

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